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Teil 1: Autark leben, arbeiten und produzieren - Die Utopie wird Wirklichkeit


von Lukas

Unabhängig von anderen leben zu können, bedeutet Autarkie. Jemand, der auf einem Feld seine eigenen Nahrungsmittel anbaut, muss niemals hungern. In der Energiewirtschaft funktioniert das ähnlich: Jemand, der über eine autarke Stromversorgung verfügt, macht sich unabhängig von externen Energielieferungen und kann langfristig seine Kosten für Energie nachhaltig senken. Warum ein autarkes Unternehmen aber auch andere Vorteile haben kann, möchten wir etwas näher beleuchten.

 

Autarkie für Strom und Heizen – darum geht es


Die Bedeutung von autark arbeitenden Betrieben und Unternehmen wird in Zukunft weiter anwachsen. Viele Firmen legen großen Wert auf umweltfreundliche Produktion und Energieeffizienz, sind aber trotz der anstehenden Energiewende noch immer auf die sogenannte graue Energie angewiesen – denn im öffentlichen Stromnetz wird natürlich nach wie vor viel Energie aus Kohlekraftwerken und Atomkraftwerken benötigt. Wer also wirklich ein nachhaltiges Produkt auf den Markt bringen möchte, sollte im Sinne einer modernen Energieeffizienz möglichst klimaneutral Strom und Heizwärme beziehen. Noch besser ist es natürlich, wenn man dabei nicht auf externe Energielieferanten angewiesen ist, sondern echte Autarkie erlangen kann. Doch autarke Unternehmen haben natürlich andere Anforderungen als ein normaler Haushalt, wo die Photovoltaikanlage auf dem Dach häufig schon den Energiebedarf weitgehend decken kann. Eine genaue Planung und Expertise ist für die Umsetzung der Autarkie sehr wichtig, wenn sie sich lohnen soll. Doch erklären wir zunächst einmal, welche Bedeutung Autarkie als Begriff an sich besitzt.

 

Was versteht man unter Autarkie?


Bei Autarkie geht es generell um die Selbstversorgung. Eigene Produktion bedeutet Unabhängigkeit für das produzierte Gut. Das gilt nicht nur für Energie, sondern auch für Rohstoffe. Wer eine autarke Stromversorgung anstrebt, meint dabei in der Regel vor allem die Unabhängigkeit von externen Stromlieferanten. Das kann man theoretisch schon durch ein eigenes kleines Kraftwerk erreichen. Die Frage nach dem Brennstoff definiert die tatsächliche Autarkie allerdings ebenfalls – denn wer von Brennstofflieferungen abhängig ist, ist letztlich nicht wirklich autark. Anders sieht das bei vielen erneuerbaren Energieformen aus: Wind und Sonne müssen nicht extern zugekauft werden, man ist allerdings von der Natur abhängig. Die Atomenergie gilt an und für sich als eine teilautarke Lösung, denn man kann mit einer Brennstofflieferung sehr viel und über sehr lange Zeiträume hinweg Energie erzeugen. Abgesehen davon, dass Atomkraft für Unternehmen selbstverständlich nicht infrage kommt, wäre man auch in diesem Fall nur dann wirklich autark, wenn man auch über den benötigten Brennstoff (in dem Falle Uran) verfügt.

 

Warum autark werden nicht automatisch umweltfreundlich ist


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Verfügt ein Unternehmen also über eigene Brennstoffreserven, ist die echte Autarkie durch ein entsprechendes Kraftwerk durchaus zu erreichen. Mehr noch: Sie lohnt sich dann sogar finanziell besonders schnell. So gibt es viele Betriebe im KMU-Bereich, die schon heute eigene Kraftwerke für die Verfeuerung von Holz aus eigener Forstwirtschaft verwenden. Sofern die Nachhaltigkeit gegeben ist, erreichen solche Firmen tatsächlich einen großen Grad an Autarkie für Strom und Heizen (die meisten Kraftwerke dienen auch als Heizkraftwerke). Zudem ist das Verfeuern von Holz generell CO2-neutral, wenn die Wiederaufforstung im gleichen Maße betrieben wird. Für Besitzer großer Wälder lohnt sich das auch finanziell. Für die Umwelt nicht immer automatisch – denn obwohl die CO2-Bilanz gut ist, muss das Verfeuern von Holz je nach Größe des Kraftwerks auch kritisch betrachtet werden. Gerade die Feinstaubbelastung ist in vielen Städten und Gemeinden durch zahllose private Holzöfen und Kamine besonders hoch.

Klimaneutrale Energieerzeugung ist also nicht automatisch umweltfreundlich. Verwendet man hingegen echte erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Solarenergie, werden überhaupt keine Emissionen erzeugt. Da dies aber stark vom Standort der Energieerzeugung und der Größe des Energiebedarfs abhängig ist, sind eigene Windparks oder sehr große Photovoltaikflächen nicht immer praktikabel. Zudem kann der Energiebedarf aufgrund der Probleme mit ausreichenden Energiespeichern heute für viele Unternehmen noch nicht hinreichend gedeckt werden. Immerhin kann man den Energiebedarf aber sinnvoll ergänzen und somit der Vision, ein autarkes Unternehmen zu führen, näherkommen.


Im nächsten Teil geht es um Blockheizkraftwerke, wann sich die Autarkie für Unternehmen lohnt und welches Fachwissen man benötigt.

2 Kommentare

  • zoernert schrieb

    Autarkie ist schön, allerdings ist die Unabhängigkeit von Anderen auch immer ein Stück eine Entfremdung von der Gesellschaft oder Gruppe. Bei den Corrently Tarifen sind zwir zum Beispiel daher den Weg gegangen, dass man nur im Kollektiv selbst die Autarkie erreichen kann. Dadurch können auch Personen unabhängig(er) von Versorger werden, die zum Beispiel kein privilegierte Einkommen haben. Gleichzeitig kann Erzeugung aufgebaut werden ohne Abhängigkeit von Förderungen und Investoren. Vielleicht sollte ich bei Wattislos einmal näher darauf eingehen, da der dezentrale Leistungsmarkt bereits heute alles bringt, was man benötigt.

  • Rico_Schubbach schrieb

    Moin,
    sehe hier auch einen Unterschied, ob es sich um private Haushalte oder Gewerbeunternehmen handelt. Bei Gewerbeunternehmen sollte meines Erachtens die Autarkie eine große Rolle spielen, da man sich hier Wettbewerbsvorteile erwirtschaften kann. Außerdem geht ja unsere deutsche Reise "konsequent" in diese Richtung. Im privaten Sektor sehe ich es ein wenig anders. Natürlich kann ein Zusammenschluss von einigen privaten Kunden, zu einem einzigen Beschaffungsmodell zusammen schließen, allerdings muss man auch das kritisch sehen, was ist, wenn einer dieser privaten Nutzer völlig aus dem Ruder läuft, darunter könnte der Rest leiden.