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Sabel: "Förderung löst eigentliches Problem im Wärmemarkt nicht"

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Berlin - Für das Erreichen der Klimaziele spielen Wärmepumpen eine wichtige Rolle. Bisher kommen sie aber vor allem in Neubauten zum Einsatz. Kurz vor der Jahrestagung der Branche in Berlin spricht Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe, im Interview über ungleiche Abgabenlasten bei den Energiepreisen, das komplexe Fördersystem und die Fachkräftesituation.

energate: Herr Sabel, 2017 war ein Rekordjahr für die Wärmepumpenbranche. Rechnen Sie wieder mit einem solch starken Ergebnis?

Sabel: Mit einem Plus von 17 Prozent hatten wir 2017 in der Tat ein starkes Jahr. Dazu beigetragen haben einmalige Faktoren wie Änderungen bei der Energieeinsparverordnung und bei der Förderung durch das Marktanreizprogramm. Nach aktuellem Stand rechnen wir aber auch in diesem Jahr mit einem guten Ergebnis, wir werden wahrscheinlich ein Plus von fünf bis zehn Prozent sehen. Der Blick in die Zukunft fällt aber gemischt aus. Selbst in unserer optimistischen Prognose werden wir nicht so viele Wärmepumpen zubauen, wie wir für das Erreichen der Klimaziele eigentlich müssten. Die Deutsche Energieagentur hat den Bedarf ja mit vier Mio. bis 2030 beziffert. Ein Weiter-so ist also keine Option.

energate: Was sind die größten Hemmnisse?

Sabel: Das Haupthemmnis ist die Ungleichbehandlung bei Abgaben und Umlagen auf den Energieträgerpreisen. Strom ist teuer, Heizöl dagegen sehr billig. Darüber hinaus müssen wir zwischen Neubau und Bestand unterscheiden. Im Neubau sind die Rahmenbedingungen sehr gut. Die Wärmepumpe war bei den Baugenehmigungen im Wohnbereich zuletzt das beliebteste Mittel, noch vor der Erdgasheizung.

Die eigentliche Herausforderung ist der Bestand, mit den 13 Mio. veralteten Heizungen. Hier brauchen wir mehr Anreize. Die Wärmepumpe hat es deswegen im Bestand schwer, weil ja die Investitionskosten etwas höher liegen, außerdem ist das Missverständnis weit verbreitet, eine Wärmpumpe sei nur im Neubau oder in Kombination mit einer Fußbodenheizung eine Option. Das ist definitiv falsch. Wir brauchen hier Änderungen, sonst passiert bei den Sanierungen nicht genug.

energate: An Fördermöglichkeiten scheint es nicht zu mangeln. Der Rechnungshof hat in seinem Bericht zur Energiewende die vielen Programme als unübersichtlich und ineffizient kritisiert. Brauchen wir hier eine einfachere Struktur?

Sabel: Auch wir merken am Beratungsbedarf, dass das System recht komplex ist. Ich will mich nicht über die Förderungen beschweren, aber im Moment ist es so, dass wir das eigentliche Problem, etwa die Ungleichheit bei den Energiepreisen, nicht angehen. Mit diesem komplexen System versuchen wir dann die Wunden zu heilen. Das ist ein bisschen wie ein Trostpflaster.

energate: Ist das Problem denn nur der Preis, wenn es etwa um den Einbau einer Wärmepumpe geht, oder fehlt es nicht auch an der Kenntnis bei den Handwerkern?

Sabel: Es gibt bestimmt Informationsdefizite, auch bei Handwerkern. Viele kommen aus der fossilen Welt und sind zögerlich bei neuen Systemen, weil sie sich damit nicht auskennen. Es tut sich aber was. Der Ingenieurverband VDI hat eine Schulungsrichtlinie für den Einbau von Wärmepumpen erlassen. Als Verband haben wir daran mitgewirkt. Auch Hersteller beteiligen sich an den Schulungen nach der neuen Richtlinie VDI 4645. Das ist sehr wichtig, weil im Wärmemarkt viel über die Industrie geschult wird.

energate: Haben klassische Heizungsbauer überhaupt ein Interesse an der Wärmepumpe?

Sabel: In erster Linie hat der Handwerker ein Interesse daran seinen Betrieb ordentlich zu führen und die Bedürfnisse seiner Kunden zu erfüllen. Die außerordentlich hohe Belastung mit Steuern und Abgaben auf den Strompreis verhindern eine größere Nachfrage und damit auch eine stärkere Auseinandersetzung des Handwerks mit dem Thema Wärmepumpe, insbesondere in Bestandsgebäuden.

energate: Gibt es überhaupt genügend Fachkräfte?

Sabel: Der Fachkräftemangel ist auch bei uns ein Thema. Wir haben aber den Vorteil, dass es bereits rund 50.000 Handwerker im Wärmemarkt gibt. Nur ein geringer Teil hat sich allerdings bislang intensiv mit der Installation von Wärmepumpen auseinandergesetzt. Hier liegt also ein großes Potenzial, denn diese Handwerker können sich entsprechend weiterbilden.

energate: Lässt sich durch die Digitalisierung ein Teil des Personalbedarfs auffangen?

Sabel: Ja, allerdings in begrenztem Umfang. Durch Fernwartung lassen sich etwa Anlagen überwachen und bei einem Defekt auch schon das richtige Bauteil mitbringen. Das erspart Wege. In der Zukunft sehen wir eher das Problem, genügend neue Leute für die Branche zu gewinnen.

energate: Kommen wir zum Gebäudeenergiegesetz. Ein Entwurf soll demnächst nach langen Verzögerungen vorliegen. Erhoffen Sie sich einen Schub für die Modernisierung des Wärmemarktes?

Sabel: Wir hoffen erstmal auf Vereinfachungen und einen Abbau von Bürokratie. Ambitioniertere Vorgaben sind mit dem Gesetz nach unserer Kenntnis nicht vorgesehen. Die brauchen wir aber.

energate: Zur Diskussion steht, einen Teil der Auflagen zur Effizienz durch den Einsatz von erneuerbaren Energien erfüllen zu können. Was halten Sie davon?

Sabel: Da bin ich vorsichtig. Das Prinzip Efficiency First meint ja nicht nur die Gebäudehülle, sondern auch die eingesetzte Heiztechnik. Im Wärmemarkt sollten wir darauf achten, dass wir diesem Prinzip folgen, denn auch erneuerbare Energien sind nur beschränkt verfügbar.

energate: Seit Jahren wird über die steuerlichen Anreize zu Gebäudesanierung gerungen. Sind sie optimistisch, dass sich noch etwas tut?

Sabel: Ich bin skeptisch. Wir halten natürlich an der Forderung nach steuerlichen Anreizen fest. Aus unserer Sicht wäre es allerdings wichtig, dass eine endgültige Entscheidung fällt. Durch das ständige Aufschieben verzögern sich Investitionsentscheidungen. Das lähmt den Markt. Wenn man sich nicht auf die Abschreibungen einigen kann, wäre es besser, dass Thema ganz zu begraben und über Alternativen nachzudenken. Hersteller und Handwerker brauchen Planungssicherheit. Was schlecht ist, ist dieser Zickzackkurs.


Quelle: Newsletter energate | immo

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