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Deinhardt: "Geothermie ist Schlüssel zur Dekarbonisierung der Fernwärme"

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Berlin - Nach dem beschlossenen Kohleausstieg durch die Bundesregierung gewinnen klimafreundliche Wärmequellen an Bedeutung. André Deinhardt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Geothermie, erläutert in einem Gastkommentar die Vorteile der nachhaltigen Erdwärmenutzung.

"Fernwärmenetze sind vor allem in dicht bewohnten Quartieren die Lösung für eine sichere und kosteneffiziente Wärmeversorgung. In Anbetracht der notwendigen Klimaschutzmaßnahmen aber auch der geopolitischen Situation bedarf es eines Umdenkens bei der Wahl der Energieträger. Die Stadtwerke München gehen hier mit positivem Beispiel voran. Sie stellen derzeit einen großen Teil ihrer Fernwärme auf die Versorgung durch Tiefe Geothermie um. Der durch die Bundesregierung beschlossene Kohleausstieg bildet auch in diesem Sinne eine Chance. Er ist durch den Ausbau von Geothermie in den betroffenen Regionen zu begleiten. Geothermie nutzt die vorhandene Fernwärme-Infrastruktur, ist platzsparend und reduziert den Kohlenstoffdioxidausstoß erheblich.

Kohleausstieg konsequent umsetzen

Der Plan zum Kohleausstieg ist zu begrüßen und muss konsequent umgesetzt werden. Um Bürger weiterhin mit Wärme zu versorgen, kann die Erdwärme einen maßgeblichen Anteil der Wärmeversorgung übernehmen. Denn weite Teile der derzeit durch Kohleenergie versorgten Regionen liegen im Norddeutschen Becken und in Nordrhein-Westfalen. Beide Regionen sind für die geothermische Nutzung äußerst geeignet. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen mit seiner hervorragenden Fernwärme-Infrastruktur können geothermische Heizwerke nahtlos die Wärmeerzeugung übernehmen, ohne dass teuer auf andere Energie- und Wärmeversorgungsarten umgestellt werden muss.

Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, ist es notwendig, sofort auf Geothermie als die Quelle für Heizenergie umzusteigen. Erdwärme ist CO2-neutral, erneuerbar und landschaftsschonend. Bis 2050 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch um 60 Prozent steigen. Damit verbunden ist eine Treibhausgasreduzierung um mindesten 80 bis 95 Prozent. Geothermieanlagen können maßgeblich zum Erreichen dieser Ziele beitragen. Ein weiterer Ausbau verbessert die Klimabilanz Deutschlands und verhindert weitere Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie - damit zusammenhängend - erhebliche Kosten an Schadensregulierungen bzw. Strafzahlungen an die EU, falls man die vorgegebenen Klimaziele nicht einhält. Oberflächennahe und Tiefe Geothermie kann jetzt schon flächendeckend bei Wärmeversorgung und Stromerzeugung eingesetzt werden.

Geothermiepotenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft

In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 37 Tiefe-Geothermieanlagen, die in Betrieb sind. Die meisten dieser Anlagen liegen im bayrischen Molassebecken. Die Wärmeleistung aller Anlagen zusammen beträgt 336,51 MW und die elektrische Leistung 37,13 MW. Drei Anlagen befinden sich im Bau, in Garching an der Alz, München Sendling und Schwerin. 30 Anlagen werden derzeit geplant. Die Oberflächennahe Geothermie wird heute schon flächendeckend in ganz Deutschland genutzt. Es existieren mehr als 390.000 Anlagen, die eine Wärmeleistung von 4.290 MW bereitstellen. Im Jahr 2018 wurden von den 390.000 Anlagen insgesamt 23.400 neu installiert. Im Vergleich zum Jahr 2017 kann man einen leichten Anstieg im Zubau verzeichnen.

Das Potenzial an Oberflächennaher- und Tiefer Geothermie ist aber im Vergleich zur bisherigen Nutzung um ein Vielfaches größer. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen schätzt, dass beim Gebäudewärmebedarf allein für NRW ein prozentualer Deckungsanteil von über 50 Prozent durch Oberflächennahe Geothermie technisch realisierbar ist (Potenzialstudie Geothermie NRW). Dies bedeutet, dass über die Hälfte des Wärmebedarfs der Gebäude über die Oberflächennahe Geothermie mittels Erdwärmesonden gedeckt werden kann. Eine weitgehende Umstellung der Fernwärmenetze auf Tiefe Geothermie erscheint ebenfalls technisch möglich. Das Leibniz-Institut für angewandte Geophysik aus Hannover rechnet in seinem aktuellen Ausbauszenario vor, dass eine Bereitstellung von 104,5 Mrd. kWh pro Jahr bis 2050 aus Tiefer Geothermie für Fernwärme möglich ist.

Es bedarf für die stärkere Nutzung des Geothermie-Potenzials verbesserte Rahmenbedingungen, dazu zählen eine systematischere Erkundung des Untergrundes, mehr Informationen für Bürger und Kommunen, ambitioniertere Förderbedingungen und eine Entlastung des EE-Stroms für Geothermie-Anlagen. Die Nutzung der Geothermie ist Klimaschutz, Umweltschutz und sichere Energieversorgung."


Quelle: Newsletter energate | immo

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